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Landaktiv MV
17.10.2014

Bio-Bauer für einen Tag


Rund 1.000 Schüler aus zwölf Schulen Mecklenburg-Vorpommerns haben in diesem Jahr bereits für einen Tag ihr Klassenzimmer gegen ein Gemüsefeld, einen Rinderstall, eine Backstube oder die Küche eines Bio-Restaurants getauscht. Weitere 800 Schüler können sich in diesem Schuljahr noch auf einen Schultag auf einem Bio-Landwirtschafts- oder –Verarbeitungsbetrieb freuen, bei dem sie selber mit Hand anlegen dürfen. Möglich sind diese außergewöhnlichen Unterrichtstunden durch ein Kooperationsprojekt der Vereine Mecklenburger Agrarkultur e. V. aus Dalwitz und landaktiv e. V. aus dem Ostseebad Dierhagen

 

„Das Interesse ist mit den geplanten Projekttagen kaum abzudecken. Die Kinder berichten so begeistert von den praktischen Schultagen, dass immer mehr Klassen und Schulen mitmachen wollen“, berichtet Koordinatorin Jana Kachel. Dabei ist das Programm mehr als abwechslungsreich: die Schüler pressen ihren eigenen Saft auf einer Apfelplantage, ernten Salate bei einem Gemüsebetrieb, Melken Kühe,füttern Schweine, kochen selbst Marmelade ein oder bereiten in einer Restaurantküche eine gute Suppe zu.

 

Das Projekt mit dem offiziellen Titel  „Ökologischen Landbau anfassen, schmecken und erleben – Bio-Landbauprojekt 2013-2016“ soll die Akzeptanz einer gesunden Ernährung mit regional erzeugten Produkten nachhaltig fördern. Die Themen gesunde Ernährung, ökologischer Landbau sowie Erzeugung und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte werden dabei mittels klassenspezifischer Projekttage Bestandteil des Unterrichts der Klassen 1-4. Die Hauptakteure sind die Schüler selber.

Der Besuch bei den teilnehmenden ökologischen Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetrieben und den Bio-Restaurants vermittelt authentisches Wissen und persönliche Erlebnisse. So erhalten die Kinder eine ganz neue Sicht auf die Vorteile der ökologischen Wirtschaftsweise und den Wert regionaler Produkte.

Projektpartner sind u.a. der Biopark e.V. in Güstrow und die Biopark Markt GmbH in Malchin, der Hof Medewege und die Mühlenbäckerei in Schwerin, der Insel e.V. in Kransdorf, der Schulbauernhof vom Landwerthof in Stahlbrode, das Gut Dalwitz bei Walkendorf, die Gläserne Molkerei in Dechow und das Seehotel „Großherzog von Mecklenburg“ in Boltenhagen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) und der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE). 

 

Hintergrund:

Landwirtschaft sollte Pflichtfach an den Schulen werden, so das Ergebnis von Umfragen in Deutschland. Denn Schüler wissen kaum etwas von der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte und der Bedeutung regionaler Landwirtschaft. Zudem gibt es in Deutschland, so auch in Mecklenburg-Vorpommern, zunehmend Diskussionen über die angemessene Ernährung der Kinder. Ein gesundes Frühstück und Mittagessen an der Schule nehmen dabei eine wesentliche Rolle ein. Nicht zuletzt sollten Schüler einen verstärkten „persönlichen“ Bezug zum Essen entwickeln, um den Wert von Lebensmitteln allgemein und im speziellen der Schulspeisung angemessen bewerten zu können.

Das Bio-Landbauprojekt zeigt am Beispiel des ökologischen Landbaus in Mecklenburg-Vorpommern, wie es gehen kann. Während praktischer Unterrichtstage in den landwirtschaftlichen Betrieben lernen die  Grundschüler die Grundzüge der ökologischen Landwirtschaft über eigenes Erleben kennen. Der persönliche Kontakt zu den Erzeugern ist dabei von großer Bedeutung. Das Projekt „Ökologischen Landbau anfassen, schmecken und erleben – Bio-Landbauprojekt 2013-2016“ macht auf die Bedeutung gesunder Speisen insbesondere im Hinblick auf die schulische Leistungsfähigkeit aufmerksam und sensibilisiert die Schüler für ökologische und regionale Belange.

Der thematische Aufbau ergibt sich durch das Kennenlernen der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte (Primärproduktion) in Gemüse- Obstbau- und Landwirtschaftsbetrieben in der 1. und 2. Klasse. Der Besuch bio-zertifizierter Verarbeitungsbetriebe ist Themenschwerpunkt in der 3. Klasse. Hierbei sollen die Schulkinder die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte z.B. am Beispiel der Milchverarbeitung – Herstellung von Trinkmilch, Käse und Quark kennen lernen. Die Einsatzmöglichkeiten der landwirtschaftlichen Primär- und Verarbeitungsprodukte in Speisen wird abschließend in der vierten Klasse aufgezeigt. Durch die eigene Zubereitung von Speisen lernen die Schulkinder die alltägliche Gestaltung bzw. Zusammenstellung eines gesunden Essen am konkreten  kennen und anzuwenden. Darüber hinaus helfen die gemeinschaftlichen Aktivitäten bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen.

Exkurs: Selber Kochen in Bio-Restaurants – eine Erlebniswelt für Kinder 

Für Kinder kann das Kochen ein kleines Abenteuer sein. Die Möglichkeit das Schulessen selbst zuzubereiten vermittelt wichtige Sinneserfahrungen. Die Kinder können mit ihren Händen in einem „Mehl-Wasser-Hefe-Gemisch" herumkneten. Der Blick in den Ofen, wenn die eigene Pizza backt, ist für die Schüler ein echtes Erfolgserlebnis. Wenn Kinder selber kochen, lernen sie viel über die Herkunft und die Verarbeitung von Lebensmitteln. Bisher wenig geliebte, gesunde Lebensmittel werden so zum Beispiel auch eher akzeptiert.


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