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Landaktiv MV

Im Fokus der BIOerleben: Wenn Familien gemeinsam ackern


Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2014 zum Internationalen Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft (International Year of Family Farming - IYFF 2014) ernannt. Leisten doch kleinbäuerliche Familienbetriebe weltweit einen erheblichen Beitrag zur Ernährungssicherung, Armutsbekämpfung und vor allem zur nachhaltigen Lebensmittelproduktion. So werden in diesem Jahr die ökologisch wirtschaftenden Familienbetriebe aus unserem Land auch im Fokus der BIOerleben Mecklenburg-Vorpommern stehen.

 

„Oft wird übersehen, welche Bedeutung Familienbetriebe für den Umweltschutz und die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen haben“, betont Regina Witt, Geschäftsführerin des Verbund Ökohöfe Nordost und Organisatorin der BIOerleben. So sind es die Familien, die den Ökologischen Landbau mit seiner umwelt- wie ressourcen-schonenden Wirtschaftsweise wesentlich voranbringen. Denn die Mehrheit der Öko-Betriebe wird in Deutschland von Familien geführt. Größe und die Ausrichtung der einzelnen Unternehmen sind zwar unterschiedlich, jedoch haben sie häufiger kleinere Flächen und vermarkten direkt.

 

Der Begriff "Familienbetrieb" meint dabei alle landwirtschaftlichen Unternehmungen, die von Familien geführt und möglichst auch überwiegend von Familienangehörigen als Arbeitskräfte bewirtschaftet wird. Der Ertrag kommt den Familienmitgliedern zugute und nicht Arbeitgebern, Aktionären oder branchenfremden Investoren. Das ermutigt immer wieder dazu, an einem Strang zu ziehen, hoch motiviert zu arbeiten und Krisen gemeinsam zu bewältigen. Auf der BIOerleben stellen wir stellvertretend sechs Familienbetriebe aus unserem Land vor: die Schafscheune in Vietschow, der Hof Zandershagen , die Behr AG in Seevetal, die Ölmühle Sander in Tarnow, die Kräutergärtnerei Gottschling in Guest und den Hof Medewege in Schwerin.

 

Hintergrund

 

Ökolandbau und die Form des Familienbetriebes scheinen zusammen zu passen. Die Kunden von Ökoprodukten erwarten Familienhöfe mit vielfältiger Landwirtschaft,  Tierhaltung, Naturschutz und alternativen Energiequellen. Sie erwarten Bauer und Bäuerin, die selbst Hand anlegen und nicht anzugtragende Chefs und lohnabhängige Landarbeiter.

Dennoch sollen die Probleme nicht verschwiegen werden. Flächenstarke Betriebe kommen in den Genuss hoher staatlicher Förderung, während der typische bäuerliche Betrieb fast leer ausgeht. So gelingt es zahlreichen Höfen nur mit gleichzeitiger Erzeugung, Verarbeitung und Handel ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften. Nicht selten arbeitet ein Partner außerhalb des Hofes und trägt mit seinem Gehalt zum Erhalt des Hofes bei. 

 

Für eine Kleinfamilie stellt diese Art des Wirtschaftens eine enorme Arbeitsbelastung dar. Die Bäuerinnen bewältigen zusätzlich zu ihrer Hofarbeit noch den Haushalt und die Kinderbetreuung. Die Rolle der Frau und Mutter auf kleinbäuerlichen Höfen muss durchaus hinterfragt werden. Wirtschaften mehrere Familien an einem Standort, wird die Belastung geringer.

 

Das mäßige Einkommen reicht oft nicht aus, um weitere tariflich bezahlte Arbeitskräfte einzustellen. Manchmal reicht es nicht einmal dazu, die Pachtflächen bei drohendem Verlust in Eigentum zu überführen. Der folgende Flächenverlust kann zur Aufgabe des Hofes führen. Andererseits gelingt Landkauf in den letzten Jahren immer weniger, weil agrarindustrielle Unternehmen in ihrer Kapitalstärke höhere Preise bieten können. 

 

Die EU-Agrarpolitik hat erkannt, dass mehr Fördergelder an nachhaltig wirtschaftende Betriebe fließen müssen. Die Umsetzung der Agrarreform wird aber weiterhin behindert. Mecklenburg-Vorpommern hat sich für eine Erhöhung der Flächenprämie für Ökobetriebe entschieden. Was weiterhin fehlt, ist eine wirksame Unterstützung der Betriebe, die bäuerlich und handwerklich auf kleiner Fläche wirtschaften. Sie erfüllen als Einzige die Vorstellung der  meisten Verbraucher von gesunder, vielfältiger Landwirtschaft. 


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